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Auge um Auge, Zahn um Zahn

Ist der Gott der Bibel ein Gott zum Fürchten?

Aus Aus dem Zusammenhang genommene Bibelstellen (wie z.B. die oben zitierte) sind oft der Anlass dafür, sich ein Bild von Gott zu machen, das in keiner Weise dem entspricht, wie Gott wirklich ist und wie er selbst sich dem Menschen zuwendet.

Nicht wenige Zeitgenossen haben daher ein Gottesbild, das eher einem angsteinflößenden Feindbild, das es zu bekämpfen gilt, gleicht, da man ja von ihm gewiss nichts Gutes zu erwarten habe.

Gott erscheint ihnen als der große Unbekannte, als Despot, unberechenbar, willkürlich, ungerecht und voller Widersprüche. Man weiß einfach nicht, wie man mit IHM dran ist. Deshalb ist Vorsicht geboten. Am besten, man hat so wenig wie möglich mit ihm zu tun und hält sich von ihm fern.

Und so bleibt Gott dann auch für viele der große Unbekannte, der Gott der Rache, und damit ein Gott zum Fürchten.

Doch ist dies wirklich das Bild Gottes, das uns in der Bibel entgegentritt? Wovon sprechen Schriftstellen wie "Auge um Auge, Zahn um Zahn" wirklich? Offenbart die Bibel tatsächlich einen Gott der Rache, einen Gott zum Fürchten, vor dem wir uns schützen müssen?

Wer sich einmal die Mühe macht, in die Bibel hineinzusehen und besagte Schriftstellen im Zusammenhang zu lesen, wird bald Erstaunliches feststellen: Nicht der Mensch ist es, der sich vor Gott schützen muss, sondern Gott ist es, der durch seine liebevolle Zuwendung den Menschen vor dem Menschen schützt. Gott gebietet nämlich nicht Rache, sondern er schränkt sie durch besagte Weisung vielmehr ein. "Auge um Auge, Zahn um Zahn" ist gerade nicht der Ruf Gottes nach Rache, sondern seine Antwort auf einen ungezügelten menschlichen Rachedurst und Vergeltungsdrang, der meist nur Böses mit Bösem vergilt, Beleidigung mit noch härterer Beleidigung "heimzahlt", Ungerechtigkeit mit noch größerer Ungerechtigkeit "straft", und so noch Öl ins Feuer gießt.

Gott dagegen geht es nie um Rache, sondern immer um Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Wiederherstellung. Ihm geht es darum, den entstandenen Schaden zu ersetzen, das Böse zu beseitigen und so eine neue Grundlage des Zusammenlebens und der Gemeinschaft zu schaffen.

Könnte es daher nicht sein, dass wir in Wirklichkeit gar nicht die angebliche Willkür und Ungerechtigkeit Gottes, sondern vielmehr seine Heiligkeit und Gerechtigkeit fürchten, dass wir keine Angst haben, ungerecht sondern gerecht beurteilt zu werden?

Doch auch hier möchte ER uns die Angst nehmen und uns zeigen, dass ER keinerlei Interesse daran hat, es uns "heimzuzahlen", noch dass es Ihn befriedigt, zu strafen. ER will, dass wir Ihn kennen lernen wie ER wirklich ist, nämlich als den, der in Wahrheit die Strafe bezahlt hat.

Sein Kommen und Sterben in Jesus Christus war nicht Rache für unsere Verfehlungen und Sünden, sondern Wiedergutmachung zur Wiederherstellung unserer zerbrochenen Beziehung zu ihm. ER selbst hat den Schaden wiedergutgemacht.

Was Jesus am Kreuz getan hat, war nichts anderes als den vollen Preis zu bezahlen und für meine und deine Schuld zu geben "Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Wunde um Wunde, Strieme um Strieme, Leben um Leben" (2. Mose 22, 25). ER hat eben nicht Böses mit Bösem vergolten, sondern es durch sein Opfer ein für allemal aus der Welt geschafft.

Was nun? Ist Gott ein Gott zum Fürchten, vor dem wir in Angst fliehen müssen, oder ist ER nicht doch der Gott der Gnade und Vergebung, zu dem wir in Dankbarkeit flüchten sollten?
SEINE Antwort ist klar und eindeutig: "Komm! Fürchte dich nicht!"