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Zum Darwin-Jahr
(seit 26.03.2009)
   

 

 

 

 

 

 

Zum Darwin-Jahr 2009

 

 

Zum Darwin-Jahr 2009 widmen sich alle großen Magazine und Zeitungen dem Wissenschaftler, der vor 200 Jahren, am 12. Februar 1809, im englischen Shrewsbury geboren wurde und vor 150 Jahren, im November 1859, sein Werk "Die Entstehung der Arten" veröffentlichte. Damit legte Darwin den Grundstein für die Forschung aller auf ihn folgenden Biologen - zumindest derer, die eine von Darwin dargelegten Evolution, also eine Veränderlichkeit der Arten, die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen von einem "Wesen" und die natürliche Selektion als wichtigen Mechanismus der Evolution bejahen.

 

200 Jahre Darwin - 150 Jahre Evolutionstheorie

 

Natürlich haben Darwins Thesen nicht nur die Biologie grundlegend umgewälzt - sondern auch den christlichen Glauben gehörig hinterfragt. Darwin selbst hat diesen Konflikt durchlebt. Konnte er anfangs noch an einen Schöpfergott glauben, wurde Darwin im Laufe seiner Forschungen mehr und mehr zum Agnostiker, der die Existenz Gottes nicht erklären wollte und konnte. Dafür sei das menschliche Wissen einfach zu begrenzt. Die persönliche Auseinandersetzung Darwins zieht sich seit 1859 durch Wissenschaft und Theologie - und treibt so manchen Menschen um, der sich fragt, ob die Schöpfungsgeschichte der Bibel nun tatsächlich nichts weiter als eine Mythengeschichte sei, Darwins "Entstehung der Arten" jedoch die unumstößliche Offenbarung.

 

Seit 150 Jahren also gibt es die Auseinandersetzung zwischen Evolutionstheorie und Schöpfungsgeschichte. Darwin hat sie für sich gelöst, indem er sich von Gott abwandte. Andere Wissenschaftler folgen bis heute seinem Beispiel: Für die Entstehung der Arten ist kein Gott notwendig. Und weil sich, wie Darwin meinte, alle Wesen weiterentwickeln, muss Gott als ewig Existierender, sich nicht Verändernder, zwangsläufig aus dem Denkgebäude der Evolution verbannt werden. Und der Mensch, laut Bibel nach dem "Ebenbild Gottes" geschaffen, ist keineswegs vollkommen, sondern entwickelt sich weiter.

 

Doch freilich geht es auch bei Darwin und seinen Nachfolgern nicht ganz ohne Glaube, denn wissenschaftlich beweisen lässt sich nicht, dass der Mensch die vorläufig letzte Stufe der Entwicklung aus einer Urzelle sein soll. Der Glaube daran, dass diese Urzelle irgendwann und irgendwie auf diese Erde kam, ist allen Evolutionsbiologen gemein - die meisten würden das so vielleicht nicht zugeben. Statt dessen erhöhen sie Darwin zu einem gottgleichen Wesen, der - wie hieß das im "Cicero" - Gott entmachtet hat. "An Schöpfung muss man eben glauben. Aber an eine erwürfelte evolutionäre Entstehung der ersten Zelle auch, sogar richtig fest", schreibt der bekannte Molekularbiologe Siegfried Scherer von der Technischen Universität München auf "Geo.de". Und die Konsequenz? Gegen Menschen, die Gott noch nicht durch Darwin ersetzt haben, ziehen sie gemäß ihrer Glaubensvorstellung zu Felde. Wissenschaftlich fundierte Kritik an Teilen der Evolutionstheorie wird nicht gestattet und pauschal als unwissenschaftlich zurückgewiesen. Das gilt auch für Wissenschaftler, die völlig unabhängig von Religion gegen Teile der Evolutionstheorie argumentieren und ihre Erklärungsversuche unter dem Begriff "Intelligent Design" präsentieren.

 

In den Medien ist das kaum anders. Es gibt immer wieder erschütternde Berichte über Darwin-Kritiker, die als "Kreationisten" betitelt und deren Ansinnen so dargestellt wird, als wollten sie im Biologieunterricht die Schöpfungslehre einführen. So werden nicht nur manche Christen als Bedrohung für Wissenschaft und Gesellschaft dargestellt, was freilich weit übertrieben ist. Gehen doch die meisten gläubigen Wissenschaftler - die übrigens keine verschwindend kleine Minderheit sind - davon aus, dass es eine wie auch immer geartete Evolution gegeben hat. Denn aus der Beobachtung, dass sich Wesen entwickeln oder dass es eine Abstammung innerhalb von Wesensgruppen gibt, lässt sich noch lange nicht die Frage beantworten, wie diese Erde, wie die Menschen überhaupt entstanden sind. "Durch Forschung kann man zu der Ahnung gelangen, dass eine große Intelligenz hinter der Natur steht. Wer aber diese Intelligenz ist, die sich mir als Mensch zeigt, das werde ich aus der Natur mit wissenschaftlicher Methodik nicht zwingend belegen können", sagte der Professor für Pharmazie an der Universität Halle-Wittenberg, Peter Imming, vor einiger Zeit im "Stern". Solange diese Spannung zwischen Evolutionstheorie und Schöpfungsbericht besteht, muss Darwin auch in seinem Jubiläumsjahr nicht als allwissender "Gott" gefeiert werden. Es reicht, wenn der bärtige Brite in den Medien allgegenwärtig ist.

 

(mit freundlicher Genehmigung "pro Christliches Medienmagazin"
Ausgabe 1/2009 - www.pro-medienmagazin.de)