Ich erinnere mich
gut, dass mir bereits als Zehnjähriger immer wieder
Fragen nach Herkunft, Sinn und Ziel meines Lebens
durch den Kopf gingen. Antworten darauf fand ich
allerdings keine. In meinem Umfeld zu Hause oder
auch in der Schule schien dieses Thema keine
besondere Rolle zu spielen. Niemand sprach darüber
oder stellte auch nur irgendwelche Fragen. Und
sollte sich ein kleiner Junge nicht ebenfalls mit
anderen Dingen beschäftigen? Doch wie ein roter
Faden zogen sich diese Gedanken auch durch meine
Teenagerjahre, nicht immer drängend und manchmal
auch überlagert von anderen Dingen, die mich
bewegten. Aber tief in mir wusste ich, dass ich ohne
Antwort auf diese Fragen nicht wirklich leben
konnte.
Später ging ich
andere, und oft auch gefährliche Wege. Über Jahre
hinweg versuchte ich mittels so genannter
bewusstseinserweiternder Drogen der Wahrheit auf die
Spur zu kommen. Doch statt Offenbarung und Klarheit
zu bekommen wurde ich immer verwirrter. Es folgten
starker Realitätsverlust, Depressionen und
Zwangsvorstellungen, begleitet von körperlichen
Zusammenbrüchen. Mit fünfundzwanzig fühlte ich mich
wie ein Gestrandeter, der nie angekommen war. Nun
war ich nicht nur verwirrt – ich hatte mich völlig
verirrt und sah mich am Ende meiner Möglichkeiten.
Ein Freund, der kurz
zuvor Christ geworden war und der um meinen Zustand
wusste, sagte mir geradeheraus, dass mir nur noch
einer helfen könne – Jesus. Und für ihn war klar:
Wenn ich auf der Suche nach Wahrheit bin, dann
suchte ich Jesus, denn ER IST die Wahrheit.
Mein Freund schlug
die Bibel auf, zeigte auf eine Stelle und forderte
mich auf zu lesen. "Denn ich kenne ja die Gedanken,
die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken
des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft
und Hoffnung zu gewähren. Ruft ihr mich an, geht ihr
hin und betet zu mir, dann werde ich auf euch hören.
Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden, ja,
wenn ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir fragt, so
werde ich mich von euch finden lassen, spricht der
HERR" (Jer. 29,11-13).
Noch während ich las,
spürte ich, dass etwas mit mir geschah. Da drang
etwas in mein Herz, was tiefer ging als alles, was
mich bisher bewegt hatte. Und doch konnte ich es
nicht greifen. Mein Herz war tief berührt, aber mein
Verstand begriff nicht, was hier passierte.
Die folgenden Tage
konnte ich kaum einen klaren Gedanken fassen und war
sehr aufgewühlt. Ich wollte glauben, konnte es aber
nicht. Nach drei Tagen hielt ich es schließlich
nicht mehr aus und begann ernsthaft zu Gott, den ich
gar nicht kannte, zu schreien und ihn zu bitten, mir
die Wahrheit zu zeigen. Da trat Jesus in den Raum.
Augenblicklich wusste ich, dass alles wahr ist:
Jesus ist der Sohn Gottes, der am Kreuz für mich
gestorben war. Ich konnte es kaum fassen: Was ich
bis dahin für ein Märchen gehalten hatte, war die
Wahrheit – und in Jesus war sie mir jetzt begegnet.
Zu beschreiben, was
dann geschah, würde den Rahmen dieses Buches
sprengen, doch diese erste Begegnung mit Jesus
veränderte schlagartig alles. Mein ganzes Herz, mein
Denken und Fühlen, ja sogar alles um mich herum war
plötzlich erfüllt mit Licht. Alle Finsternis,
mitsamt den Ängsten und Bindungen, die mich
jahrelang beherrscht und geknechtet hatten, waren
verschwunden. Die Erkenntnis der Wahrheit setzte
mich augenblicklich frei. Ich war befreit von meiner
Vergangenheit – und ich war frei für eine Zukunft
mit Jesus. Dies öffnete mir eine völlig neue und nie
gekannte Perspektive.
Am darauf folgenden
Sonntag besuchte ich einen Gottesdienst im
Charismatischen Zentrum München. Und wieder war mein
Herz tief berührt. Hier traf ich Menschen, die Jesus
ebenfalls kennen gelernt und erlebt hatten, und
obwohl ich kaum jemand kannte, fühlte ich mich
sofort mit ihnen verbunden. Ich wusste, dass das der
Ort war, wo ich sein wollte.
Als der Gottesdienst
begann und die Leute anfingen zu singen und Gott
anzubeten, musste ich weinen. Nie zuvor hatte ich
Menschen gesehen, die Gott liebten und die dies auch
zum Ausdruck brachten. Viele standen mit erhobenen
Händen und sangen Lieder, die ich nicht kannte. Doch
ich spürte deutlich, hier war mehr als nur
Liedersingen. Die Leute sangen nicht nur, sie sangen
zu Gott. Hier fand Kommunikation statt, Begegnung.
Diese Menschen streckten sich im Glauben zu Gott hin
aus und Gott antwortete mit seiner Gegenwart. Der
Raum war erfüllt von der Herrlichkeit Gottes.
Plötzlich brach ein
Lied oder ein Gesang auf, wie ich ihn noch nie zuvor
gehört hatte. Ich verstand die Worte nicht, die
gesungen wurden, aber ganz offensichtlich sangen die
Leute in verschiedenen Sprachen. Ohne aufeinander zu
achten, blieben alle scheinbar auf Gott ausgerichtet
und sangen trotz der unterschiedlichen Sprachen in
einer Harmonie und Einheit, die mich erstaunte.
Obwohl dies alles neu für mich war und ich nicht
wusste, was hier eigentlich geschah, empfand ich es
als sehr schön. Ich war tief bewegt und erfüllt von
Dankbarkeit. Hier waren Menschen, die ihre Sehnsucht
nach Gott und ihre Liebe zu ihm ausdrückten, und die
aufgehört hatten, sich dessen voreinander zu
schämen.