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ERLEBT - Erfahrungen, Berichte, Persönliches

Mein Weg zu Gott

Doris Schmid, Kolbermoor

Es war im April 1996. Ich lag ziemlich angegriffen im Bett, ständig Fieber, die dritte Woche schon und ziemliche Bauchschmerzen, begleitet von heftigen, z. T. blutigen Durchfällen. Der Arzt hatte mir erklärt, es handele sich um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Ich müsse mich damit irgendwie arrangieren, weil sie nicht heilbar sei. Diese Erkrankung kommt in Schüben und nicht selten muss ein Stück Darm entfernt werden. Außerdem ist das Risiko an Darmkrebs zu erkranken signifikant erhöht.

Dazu gesellte sich Asthma, ich hatte seit ca. einem halben Jahr immer wieder Anfälle von Luftnot.

Was war nur mit mir los? Ich war doch bis jetzt immer ein gesunder Mensch gewesen! Ja, die zwei zerbrochenen Ehen hatten mir ganz schön zugesetzt! Gerade um die letzte Ehe hatte ich lange gekämpft, ich wollte um keinen Preis schon wieder eine Scheidung!
Ich hatte leider feststellen müssen, dass ich nichts in den Händen hatte. Nun war ich wieder in einer neuen Beziehung und gleich zu Beginn diese Krankheiten! Konnte diese Beziehung überhaupt eine Chance haben? Wäre es nicht fair, den neuen Partner frei zu geben?

Meinen Job im pharmazeutischen Außendienst musste ich auch an den Nagel hängen, ich war den Belastungen einfach nicht mehr gewachsen. Aber ich hatte ja einen sechsjährigen Sohn, der musste versorgt werden! Von meinem Exmann fehlte jede Spur. Er hatte sich regelrecht aus dem Staub gemacht, vor allem als er von meinem "neuen Glück" erfuhr.
Ich war 38 und hatte keine Ahnung, wie es nun für mich und meinen Sohn weitergehen sollte.

Ich erinnerte mich plötzlich an einen Brief meiner in den USA lebenden Schwester, die zu Weihnachten an mich geschrieben hatte. Darin stand, dass ein wunderschönes Päckchen unterm Weihnachtsbaum liegt, das darauf wartete ausgepackt zu werden. Wann würde ich es endlich auspacken und für mein Leben annehmen? Mir war klar, was sie damit meinte.

Diese Schwester war zu dem Zeitpunkt schon lange eine wiedergeborene Christin. In Kalifornien ist sie Bibellehrerin in einer freichristlichen Kirche. Schon als ich sechzehn war, brachte sie mich dazu, mein Leben Jesus zu geben. Ich traute mich damals nicht, ihr zu widersprechen, weil sie so unglaublich ernsthaft versuchte, mich zu überzeugen. Sie war gerade selbst frisch bekehrt. Ich hatte aber von den Auswirkungen, nun ein Gotteskind zu sein, nichts gespürt - im Gegenteil! Mein Leben verlief mehr und mehr in finsteren Bahnen! Mein Elternhaus war ziemlich problematisch und ich hatte keine gesunde Orientierung mit bekommen, was Partnerwahl betraf.

Dieser Brief zu Weihnachten hatte etwas in mir bewirkt. Ich spürte regelrecht, wie Jesus an mein Herz laut angeklopft hatte. In meinem Herzen verspürte ich schon seit längerem eine große Sehnsucht, die ich gar nicht genau definieren konnte. Es war der Wunsch, endlich nach Hause zu kommen. Wie könnte ich mich diesem Gott nur nähern? Ich empfand mich so unwürdig. Wollte er mich überhaupt noch, nach all diesem Schrott meines Lebens?
Ob ich mal wieder versuchen sollte, den Rat meiner Schwester zu befolgen und die Bibel lesen? Wie oft hatte ich schon darin erfolglos, z.T. lustlos herumgeblättert. Hatte bei der Schöpfungsgeschichte angefangen, später dann versucht, den Römerbrief zu verstehen, aber all meine Versuche scheiterten. Ich kam da irgendwie nicht rein! Trotzdem wollte ich es jetzt noch mal ernsthaft versuchen!

Was ich damals noch nicht wusste: Wenn wir einen Schritt auf Gott zugehen, kommt er uns tausend Schritte entgegen!

Sechs Wochen später war ich für zwei Wochen auf der Insel Sylt um mein Asthma auszukurieren.

Ich hatte mir eine kleine Ferienwohnung gemietet und radelte jeden Tag zum Strand um dann im Strandkorb die mitgebrachte christliche Literatur zu lesen, die mir meine Schwester empfohlen hatte. Während dieser Zeit telefonierte ich oft mit ihr und stellte ihr viele Fragen über den Glauben. Sie wunderte sich über mein plötzliches Interesse, gab mir aber gern ausführlich Auskunft über alles, was ich wissen wollte. Alles war auf einmal hoch interessant für mich, der Heilige Geist begann sein Wirken in mir! Sogar der Römerbrief wurde lebendig für mich! Ich staunte schon beim Lesen des ersten Kapitels und musste feststellen, dass Paulus hier mein verkorkstes Leben beschrieb:

"Obwohl sie von Gott wussten, wollten sie ihn nicht als Gott verehren oder ihm danken…darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus…"

Warum machte mich das auf einmal ganz furchtbar betroffen? Viele Bilder aus der Vergangenheit liefen wie ein Film in mir ab, mein ganzes sündiges Leben! Immer hatte ich anderen die Schuld gegeben an meinem Schicksal. Doch auf einmal wurde mir klar, dass ich selbst Verantwortung für mein Handeln trug! Es traf mich wie ein Keulenhieb zu erfahren, dass es kein so genanntes "Fegefeuer" gibt, wie ich es aus meinem katholischen Hintergrund kannte. Ich erfuhr, es gibt nur ein ewiges Leben im Reich Gottes oder eine ewige Verdammnis für die, die Jesus ablehnten! Wo wäre ich gelandet, wenn ich gestern durch einen Unfall ums Leben gekommen wäre? Nicht auszudenken, schrecklich!

Während ich in meinem Strandkorb saß und auf das unendlich weite Meer hinausblickte wurde mir bewusst, dass ich nicht länger warten wollte. Allein der Gedanke, dass Jesus auch meine Schuld ans Kreuz getragen hatte, überwältigte mich. Ich hatte gelernt, dass man sich Liebe schwer verdienen muss. In einem der christlichen Bücher war im Anhang eine Anleitung für eine Lebensübergabe, die ich jetzt mit Hingabe betete: "Jesus, ich danke dir, dass du auch für meine Sünden gestorben bist. Bitte übernimm du die Herrschaft über mein Leben, ich gebe sie dir, wer könnte mein Leben besser regieren als du? Ich bin kläglich gescheitert!" Dieser geistliche Offenbarungseid tat so weh! Es war wie sterben, aber gleichzeitig keimte auch große Hoffnung in mir auf!

An diesem Abend erlitt ich den stärksten Asthmaanfall seit Beginn meiner Erkrankung. Ich hatte kaum Kraft und Luft, den Notarzt zu rufen. Dieser konnte nicht zu mir kommen, da er in dieser Nacht allein die ganze Insel zu versorgen habe. Wenn es mir so schlecht ginge, möge ich mit dem Taxi in die Nordseeklinik fahren.

Ich war nicht fähig dazu. Ich hing aus dem Fenster, nach Luft ringend. "Jesus!" keuchte ich in Todesangst! "Jesus, hilf mir!"

Auf einmal hatte ich das Gefühl, es wäre noch jemand im Raum. Jesu Anwesenheit war körperlich spürbar für mich. Friede umgab mich wie eine weiche Decke. Die Angst war auf einmal verschwunden. Ich war nicht mehr allein! Dann wurde ich schrecklich müde. Ich dachte noch, wenn ich jetzt einschlafe und sterbe, bin ich bei Ihm! Viele Nächte hatte ich wegen der Luftnot-Anfälle nicht mehr schlafen können. In dieser Nacht schlief ich zum ersten Mal vier Stunden ganz tief!

Als ich einigermaßen erfrischt erwachte, fiel mir gleich wieder ein, dass ich einen neuen Freund und Beschützer hatte, Jesus! Tiefe Freude überkam mich über meinen Retter und Erlöser! Niemals wieder ohne Jesus! Das musste ich sofort meiner Schwester berichten! Ich hatte ihn erlebt!

Ein Jahr später verschwand das Asthma und kehrte bis heute nicht zurück.

Auch die Darmerkrankung hat mein Erlöser im Griff! Vor etwa einem halben Jahr teilte mir mein Arzt mit, ich könne die schweren Medikamente absetzen. Da die Schübe auch immer seltener auftraten und immer schwächer wurden, handele es sich bei mir offensichtlich nicht um dieses typische Krankheitsbild von Colitis ulcerosa oder M. Crohn. Vielleicht war es eine Allergie auf ein Nahrungsmittel, wer weiß…

"U N H E I L B A R, Sie müssen sich mit der Krankheit arrangieren!" -- Nicht bei Gott.

Der Herr hatte begonnen, mich körperlich und seelisch zu heilen. Durch den Heiligen Geist wurde mir nach und nach gezeigt, wo ich mein Leben in Ordnung zu bringen hatte. Ich bat viele Menschen um Vergebung und musste einiges wieder gut machen, z. T. auch finanziell. Das kostete mich Mut und Demut. Ich musste mir auch selber vergeben, das war das Schwierigste. Viele Tränen flossen in den Jahren des Heilungsprozesses.

Dafür wurde ich mit einer glücklichen, stabilen Ehe belohnt. Ende 1996 heiratete ich meinen dritten Ehemann. Es gab auch hier Schwierigkeiten, besonders zu Beginn der Ehe. Mein Mann war auch geschieden und brachte eine Tochter mit in die Ehe. Wir waren eine so genannte "Patchworkfamilie". Die Probleme, die sich daraus ergaben, hätten beinahe die Ehe wieder zerstört. Doch Jesus berührte uns alle mit seiner Gnade und 1998 ließ sich unsere neue Familie gemeinsam taufen!

Auch wenn auf meinem Lebensweg immer wieder neue Schwierigkeiten auftauchen, so weiß ich doch heute, dass ich niemals alleine bin. Mit Jesus kann ich alle Hindernisse überwinden, egal wie groß sie mir erscheinen! Der Apostel Paulus sagt in der Apostelgeschichte: "Wir sind oft ratlos, aber nie verzweifelt!"