Die Cybersex-Versuchung (Teil 3)

Sexuelle Probleme sind nicht das eigentliche Problem.
Sie sind ein Symptom für Einsamkeit, Bindungslosigkeit, Depressionen, Ärger.
Die emotionalen und geistlichen Probleme liegen viel tiefer.”

Die Cybersex-Versuchung (Teil 3)

Das christliche Monatsmagazin “Neues Leben” veröffentlichte ein Interview mit Dr. Mark Laaser, der als ehemals Betroffener selbst über lange Zeit mit Pornografie kämpfte und heute in einem ausgedehnten Beratungsdienst steht.

Neues Leben: Also ist es wichtig, dass man sich nicht isoliert?

Laaser: Eines unserer Lehrprinzipien ist, dass positive Gemeinschaft die Befreiung von pornografischer Lust fördert. Wir glauben, dass man wesentlich unempfänglicher für pornografische Stimuli ist, wenn man sich in Gemeinschaft in der Ehe, Kirche und mit Freunden befindet und in dieser Gemeinschaft Liebe, gesunde Berührungen und die dadurch entstehende Wärme erfährt. Wenn man also mit all diesen anzüglichen Dingen überflutet wird und sich versucht fühlt, sollte man innehalten und einen Blick auf das Gesamtbild werfen: Wo stehe ich in meiner Ehe? Wo stehe ich in meinen Beziehungen?

Neues Leben: Auf einen Nenner gebracht: Wenn man eine Seite füttert, verhungert die andere?

Laaser: Sex in all seinen Spielarten wird zum Ersatz für gesunde Liebe und gesundes Wachstum. Wenn ein Süchtiger sich mit Versuchungen überflutet sieht und ihnen nachgibt, dann meist, weil er oder sie nach Freundschaft, Liebe und gesunder Körperlichkeit hungert.

Neues Leben: Sie sagten gerade “Sex in all seinen Spielarten”. Meinen sie damit außerehelichen Sex? Oder sagen Sie, dass Sex innerhalb einer Ehe auch problematisch werden kann?

Laaser: Ich glaube, in einigen Ehen ist es ein sehr großes Problem, dass Sex dort nicht auf einer innigen geistlichen Gemeinschaft beruht. Er basiert oft eher auf einer Flucht vor echter Intimität. Wir sind einsam und haben starke Bedürfnisse und anstatt eine emotionale und geistliche Verbindung einzugehen, setzt auf sexueller Ebene eine Art Fluchtmechanismus ein. Wenn ich aber mit Hilfe von Sex versuche, meinen Gefühlen zu entkommen, führt das, krass gesagt, zu vaginaler Masturbation. Man phantasiert über jemand anderen. Der Sex dient dann nur noch der körperlichen Befriedigung. Und diese Art von Sex könnte dann auch zu einer Sucht werden.

Neues Leben: Was sind denn Warnsignale dafür, dass ein Paar sich auf diesen Abwegen befindet?

Laaser: Ob Sex einem zum Beispiel das Gefühl von Distanziertheit vermittelt, anstatt von Nähe. Jedes Signal von sexueller Unzufriedenheit in einer Ehe muss angesprochen werden. Meistens sind es doch Fälle von emotionalen und geistlichen Problemen.

Neues Leben: Was würden Sie jemandem sagen, der spürt, dass er pornosüchtig ist?

Laaser: Der Hauptfehler, den Christen begehen, ist zu denken, dass sie mit diesem Problem allein dastehen. Und dass sie, wenn sie auf diesem Gebiet versucht werden, den Kampf allein austragen können. Wenn bei sexueller Sünde Einsamkeit die Ursache für das Problem ist, dann kann der Glaube, dass man es allein schaffen kann, diese Einsamkeit noch verstärken.

Neues Leben: Für Verheiratete gilt dann sicher auch, sich neu auf ihre Ehe zu konzentrieren, oder?

Laaser: Wenn ich etwas sehe, das mich versucht, muss ich mich natürlich daran erinnern, dass ich mich einer höheren Form der Partnerschaft und Sexualität in meiner Ehe verschreiben habe. Das biblische Bild, mit meiner Frau “ein Fleisch” zu sein, besagt dabei, dass ich mich ausschließlich von meiner Frau und ihrem Körper, egal wie alt sie ist, angezogen fühle.

Neues Leben: Das geht doch total gegen den Strom der Kultur, die so besessen von der ausschließlich körperlichen Seite des Sex ist …

Laaser: Das schöne Paradoxe daran ist aber, dass sich die gegenseitige körperliche Anziehung verstärkt, wenn man sich auf die emotionale und geistliche Beziehung konzentriert.

Neues Leben: Wann sollte denn jemand, der mit sexueller Sünde zu tun kämpfen hat, Hilfe von außen konsultieren?

Laaser: Wenn man darin hängen bleibt. Wenn es nur eine kleine Sache ist, dann muss man nicht unbedingt ein umfassendes Suchtbekämpfungsprogramm besuchen. Aber ich glaube dennoch, dass man sich die Verfehlung eingestehen, darüber reden und sich Hilfe holen sollte, um herauszufinden, woher die Einsamkeit und der Ärger kommen. Nur so lernt man letztlich damit umzugehen.

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